Historisch als „Männersportart“ angesehen, öffnet sich der Schiesssport heute zunehmend auch für Frauen. Dennoch wird das Feldschiessen auf dem Land oft noch als „Vatertag“ bezeichnet, was auf seine familiären und männlichen Wurzeln zurückweist. Aber die Zeiten ändern sich, und wir sind dabei, um dies zu bezeugen.

Schiessen und Unternehmertum: zwei Welten, ein Kampf

Das Schiessen und mein Beruf als Unternehmensleiterin haben viele Gemeinsamkeiten. Sowohl als Treuhänder wie auch beim Schiessen muss man unter Druck ruhig bleiben, seine Umgebung analysieren und seine Strategie anpassen. Präzision und Disziplin sind unerlässlich, um einen Schuss zu treffen oder ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Das Schiessen gibt mir denselben Adrenalinkick und denselben Wunsch, über mich hinauszuwachsen. Im Sport wie in der Wirtschaft ist jeder Fehler eine Lektion und jeder Erfolg eine Motivation.

Eine prägende Anekdote

Bei einem meiner ersten Wettkämpfe stand ich unter enormem Druck. Die Blicke der anderen, die Angst vor dem Versagen. All das erinnerte mich an meine Anfänge als Unternehmerin. Dann atmete ich tief durch, konzentrierte mich, zielte und schoss. Dieser Moment hat mir etwas Wesentliches gelehrt: Nicht die Angst ist wichtig, sondern wie man sie überwindet.

Klischees durchbrechen und Wege ebnen

Frauen haben im Schiesssport genauso ihren Platz wie im Unternehmertum und in anderen Bereichen. Die Art und Weise, wie unsere Präsenz wahrgenommen wird, zeigt jedoch, dass noch ein langer Weg vor uns liegt. Das Feldschiessen sollte kein «Vatertag» sein, sondern ein Schiessfest, das allen offensteht. Zusammen mit zwei weiteren weiblichen Mitgliedern bin ich dem Organisationskomitee des Feldschiessens 2025 beigetreten, um die Finanzen und das Sponsoring zu verwalten. Wir, die 15 Frauen aus Cournillens, wollen beweisen, dass wir unseren Platz verdient haben und andere Frauen dazu inspirieren, sich uns anzuschliessen und Stereotypen zu durchbrechen.

Karen Progin

 

Erfahrungsbericht

Denise Bourqui, 64 jährig, Schützin aus Cournillens

« Eine Integration- und Familiengeschichte »

«Als mein Mann dem Schützenverein «Carabiniers de Cournillens» beitrat, verbrachte er fast jeden Sonntag auf dem Schiessstand. Währenddessen blieb ich mit unseren drei Kindern zu Hause. Da ich nicht aus dem Dorf stammte und die französische Sprache nicht gut beherrschte, hatte ich wenig Kontakt zu den Einwohnern. Ich fühlte mich ausgegrenzt – nicht weil die anderen es so wollten, sondern einfach, weil ich meinen Platz in dieser Gemeinschaft nicht gefunden hatte.

Eines Tages beschloss ich, dass sich das ändern musste. Anstatt diese Situation hinzunehmen, ergriff ich die Initiative: Ich nahm meine Kinder mit zum Schiessstand. Was zunächst nur eine Möglichkeit war, Zeit miteinander zu verbringen, entwickelte sich schnell zu einer echten Familienleidenschaft. Meine Kinder waren mit Begeisterung dabei und machten schnell Fortschritte, sodass sie bald ausgezeichnete Schützen wurden.

Angespornt von ihrer Begeisterung wollte ich es auch versuchen. 1992 wurde ich Mitglied des Vereins und begann ernsthaft mit dem Schiessen. Dieser Sport, den ich als blossen Zeitvertreib meines Mannes angesehen hatte, wurde schnell zu einer persönlichen Herausforderung. Mit der Zeit machte ich Fortschritte und erzielte hervorragende Ergebnisse. Darüber hinaus habe ich eine freundliche und herzliche Atmosphäre entdeckt, in der Unterstützung und Ermutigung einen hohen Stellenwert haben.

Heute hat sich meine Rolle im Verein gewandelt: Ich bin für die Bewirtung am Schiessstand verantwortlich. Ich liebe dieses Engagement, weil es mir ermöglicht, mitten im Geschehen zu bleiben, mich mit den Schützen auszutauschen und zu dieser einzigartigen Atmosphäre der Kameradschaft und des Miteinanders beizutragen. Das Schiessen hat mir viel mehr als nur ein Hobby gegeben: Es hat mir einen Platz in dieser Gemeinschaft verschafft und mir endlich das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein. »

 

Erfahrungsbericht

Marie Humbert, 28 jährig, Schützin aus Cournillens

„Seit meiner Kindheit habe ich mich immer zu Disziplinen hingezogen gefühlt, die als männlich gelten. Ich spiele seit Jahren Fussball – eine Sportart, in der Frauen sich oft noch beweisen müssen. Als ich das Schiessen entdeckte, fand ich sofort denselben Geist der Herausforderung und Präzision wieder.

Im Schützenverein «Carabiniers de Cournillens» wurde ich mit Respekt und Freundlichkeit aufgenommen. Hier spielt es keine Rolle, ob man Mann oder Frau ist: Was zählt, sind Konzentration und Kameradschaft. Das Schiessen hat mir ermöglicht, mich selbst von einer neuen Seite zu entdecken, in jeder Situation ruhig zu bleiben und meine Entschlossenheit zu stärken.

Ich bin stolz darauf, dass immer mehr Frauen diesen Sport ausüben und dass ich in meinem kleinen Rahmen zeigen kann, dass wir auf dem Schiessstand genauso hingehören wie alle anderen. »

 

Erfahrungsbericht

Chantal Oberson, 60 jährig, leidenschaftliche Sportschützin

« Ich freue mich auf mein 42. Feldschiessen bei uns in Cournillens. »

Ich habe das Schiessen 1983 entdeckt. Ich wohnte in Cormérod und hörte regelmäßig Schüsse aus den Schiessständen in der Umgebung. Dieser Sport interessierte mich, ich wollte ihn ausprobieren, und schließlich bot sich mir die Gelegenheit, als Werner Gafner mich zum Schiessstand in Cournillens mitnahm. Er gab mir die Grundausbildung mit dem Fass 57, und schon bald nahmen wir als Gruppe an Schiessen im Freien teil.

1984 wurde ich Mitglied des Vereins. Der Vorstand und die Schützen haben mich sehr gut aufgenommen, und es entstanden schnell Freundschaften. Das regelmässige Training wurde bald mit Medaillen und Auszeichnungen belohnt. Als Schiessinstruktorin im Fass 90 hatte ich dann selbst viel Freude daran, die Grundlagen weiterzugeben und den Schützen zu helfen,  besser zu werden.

Dieser Sport ist eine bereichernde Erfahrung und fördert Fähigkeiten, die mir im Alltag zugutekommen. Konzentration, Ruhe, Disziplin, Geduld und Präzision – all diese Eigenschaften zusammen machen diesen Sport zu meiner Leidenschaft.

Ich freue mich schon darauf, im kommenden Mai an meinem 42. Feldschiessen bei uns in Cournillens teilzunehmen.